10 März, 2026

Thematische Ausstellung zu den Schewtschenko-Tagen

Anlässlich des 212.Geburtstages von Taras Schewtschenko wurde in der Bibliothek der Ukrainische Freie Universität eine thematische Ausstellung aus den Beständen der Bibliothek vorbereitet, die dem literarischen Erbe von Taras Schewtschenko gewidmet ist.

Autorin der thematischen Auswahl ist die Philologin, Kandidatin der philologischen Wissenschaften Liudmyla Zinevych.

Ein bedeutender Teil der Exponate besteht aus Ausgaben aus der zweiten Hälfte des 19. sowie der Mitte des 20. Jahrhunderts, die die Entwicklung der Schewtschenko-Forschung in der Emigration repräsentieren. Die thematische Zusammenstellung der präsentierten Werke ermöglicht es, die lange Geschichte der Verbreitung und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Werk von Taras Schewtschenko außerhalb der Ukraine nachzuzeichnen.

Einen besonderen Platz unter den Exponaten nimmt der sogenannte Prager „Kobzar“ ein – die erste unzensierte Ausgabe der Werke von Taras Schewtschenko, die 1876 in Prag in der Druckerei von Edvard Grégr mit Unterstützung von Oleksandr und Sofia Rusow, Fedir Wowk und anderen öffentlichen Persönlichkeiten veröffentlicht wurde. Diese Ausgabe war eine direkte Antwort auf den verbietenden Ems-Erlass und wurde zu einem Symbol der Unbeugsamkeit der ukrainischen Kultur und Sprache sowie des Widerstands gegen den imperialen Linguizid.

Daneben werden spätere Emigrationsausgaben gezeigt, die in Lwiw, Leipzig und Wien vorbereitet wurden, sowie Publikationen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in München erschienen – einem der wichtigsten Zentren des ukrainischen kulturellen Lebens der Nachkriegsdiaspora. In dieser Zeit wurden in Lagern für Displaced Persons und in Emigrationsinstitutionen klassische Werke der ukrainischen Literatur aktiv neu herausgegeben, allen voran der „Kobzar“.

Besonders wertvoll im Kontext der schwierigen Nachkriegsrealitäten sind die kleinen Taschenformate des „Kobzar“. Solche Ausgaben waren in der Emigration und besonders unter Studierenden weit verbreitet, da sie leicht mitgeführt werden konnten und jederzeit eine geistige Stütze boten.

Einen eigenen Platz in der Ausstellung nimmt die Münchner Ausgabe des Gedichts „Haidamaky“ (1947) ein, die von einer ukrainischen Emigrationsverlagsinitiative herausgegeben wurde. Dieses Werk, das den Ereignissen der Kolijiwschtschyna des 18. Jahrhunderts gewidmet ist, wurde im Kontext der Nachkriegsemigration nicht nur als historisches Werk gelesen, sondern auch als Text mit einer deutlichen nationalen Befreiungsbotschaft, der zum weiteren Kampf um die Unabhängigkeit der Ukraine inspirierte.

In der Ausstellung werden außerdem einzelne Arbeiten bedeutender Schewtschenko-Forscher präsentiert, darunter Stepan Smal-Stozkyj, Pawlo Saizew, Wolodymyr Doroschenko, Wasyl Janiw, Jurij Blochin und andere Wissenschaftler, die eine akademische, ideologisch unabhängige Tradition der Schewtschenko-Forschung geprägt haben.

Unsere Ausstellung soll einerseits auf den Reichtum der Bibliotheksbestände der Ukrainischen Freien Universität aufmerksam machen und zugleich an die lange Tradition der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Werk von Taras Schewtschenko als einer Schlüsselfigur der ukrainischen Literatur und Kultur erinnern. Sie ist ein wichtiges Zeugnis dafür, wie die ukrainische intellektuelle Gemeinschaft in Europa die lebendige Präsenz des Schewtschenko-Wortes bewahrt hat und es als literarische, historische und kulturelle Grundlage der ukrainischen Identität verstand.

Text: Liudmyla Zinevych, Kandidatin der philologischen Wissenschaften.

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