23 Juli, 2026

Europa-Ukraine. Was müssen wir jetzt tun? Neue Strukturen für Europa – Podiumsdiskussion an der UFU

Am 20. Juli fand in der Großen Aula der Hochschule für Philosophie an unserer Ukrainischen Freien Universität in München eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion statt. Gemeinsam mit dem Osteuropaforum Bonn stellten wir die drängendste Frage unserer Zeit: Europa-Ukraine. Was müssen wir jetzt tun? Brauchen wir neue Strukturen für Europa?

Unsere Rektorin, Prof. Dr. Larysa Didkovska, eröffnete den Abend mit klaren Worten: Der russische Aggressionskrieg ist kein lokaler Konflikt, sondern ein barbarischer Angriff auf unsere gemeinsamen europäischen Werte, unsere Demokratie und die internationale Ordnung. Die Ukrainische Freie Universität ist heute mehr denn je nicht nur eine akademische Institution, sondern eine kritische Plattform für Wahrheit, Erinnerung und aktives Handeln.

Die Kerninhalte und Debatten des Abends im Detail:

Europa ist stärker als sein Ruf – braucht aber Reformen:
Dr. Anton Hofreiter (MdB) betonte, dass sich Europa trotz gewaltiger Krisen und Blockaden (wie etwa aus Ungarn) deutlich besser schlägt, als es in den Medien oft dargestellt wird. Doch um handlungsfähig zu bleiben, muss das Einstimmigkeitsprinzip (Veto-Recht) reformiert oder abgeschafft werden. Ein Veto sollte erst greifen, wenn sich mehrere Staaten zusammenschließen, damit sich große Mächte nicht mehr hinter einzelnen Blockierern verstecken können.

Supranationale Sicherheit & Kampf dem Nationalismus:
Dr. Bernd Posselt (Präsident der Paneuropa-Union Deutschland) plädierte für eine echte, supranationale europäische Außen- und Verteidigungspolitik im Sinne der „Vereinigten Staaten von Europa“. Das Festhalten am Veto schwächt das EU-System und führt dazu, dass Großstaaten am Regelwerk vorbeiarbeiten. Zudem warnte er eindringlich vor extremistischen Nationalisten, die das europäische Friedensprojekt gezielt untergraben wollen.

Die Ukraine als sicherheitspolitischer und technologischer Anker:
Die Diskussion machte deutlich: Die Ukraine ist längst kein passiver Empfänger von Hilfe mehr. Wie die Journalistin Judith Schacht (BR) hervorhob, baut die Ukraine angesichts politischer Ungewissheiten im Westen gezielt eine eigene, hochmoderne Rüstungsindustrie auf und verflicht sich direkt mit europäischen Partnern. Anton Hofreiter ergänzte, dass die Ukraine militärisch das erfahrenste Land Europas ist und unersetzliches Know-how – etwa im modernen Drohnenkrieg und dessen Kriegsökonomie – in das Bündnis einbringt. Auch bei der Digitalisierung von Verwaltung und Verteidigung kann Europa enorm von der Ukraine lernen.

Impulse der jungen Generation:
Alex Bär (Partei der Humanisten – PdH) brachte die Perspektive einer jungen, zukunftsorientierten Politik ein, die für ein handlungsfähiges, wissenschaftsnahes und wertebasiertes Europa eintritt.

„Der Mensch ist der Schlüssel“
Ein Gedanke prägte den Ausklang des Abends besonders: Europa ist kein abstraktes Gebilde fernab in Brüssel – Europa sind wir alle. Wir dürfen demokratische Errungenschaften nicht als selbstverständlich ansehen, sondern müssen aktiv Verantwortung übernehmen, Desinformation entgegentreten und die Ukraine weiterhin unermüdlich unterstützen.

Ein herzliches Dankeschön an unsere hervorragenden Panelisten Dr. Anton Hofreiter MdB, Dr. Bernd Posselt MdEP a.D., Judith Schacht (BR) und Alexander Bär (PdH) für die tiefgründigen Analysen und das ehrliche Engagement!

Ein ganz besonderer Dank gilt dem Moderator Nico Pappe (Osteuropaforum Bonn). Mit seiner präzisen, souveränen und inspirierenden Gesprächsführung hat er den Abend strukturiert, die entscheidenden Fragen auf den Punkt gebracht und den Bogen von der Geopolitik zum persönlichen Handeln geschlagen.
Die Ukraine kämpft für Europa – und gemeinsam bauen wir ein starkes, sicheres und vereintes Europa von morgen!

Text: Dr. Liliia Bondarenko

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