15 Juni, 2026

„Das ukrainische München“: Geschichte der ukrainischen Gemeinschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts – Veranstaltung an der UFU

Am 10. Juni fand im Saal der Ukrainischen Freien Universität (UFU) in München eine Veranstaltung statt, die der Geschichte der ukrainischen Gemeinschaft in München gewidmet war.

Der Vortrag des Referenten der UFU, Historikers Dr. Roman Tiutenko, mit dem Titel „Das ukrainische München: Geschichte der Gemeinschaft in der Mitte des 20. Jahrhunderts“ stieß auf großes Interesse innerhalb der ukrainischen Gemeinschaft der Stadt. Unter den Gästen befanden sich nicht nur Teilnehmende von Sprachkursen, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter der älteren ukrainischen Diaspora, zivilgesellschaftliche Aktivisten, Wissenschaftler, Studierende sowie alle, die sich für die Geschichte der ukrainischen Präsenz in Deutschland interessieren.

Mit einem Grußwort eröffnete die Rektorin der UFU, Professorin Larysa Didkovska, die Veranstaltung. Sie betonte die unschätzbare Rolle der Diaspora im Kampf um die Unabhängigkeit der Ukraine:

„Gerade in der Emigration wurden Bücher, Dokumente, Kunstwerke und Zeugnisse des Freiheitskampfes bewahrt, die heute einen unschätzbaren Teil unseres nationalen Erbes darstellen“, unterstrich die Rektorin.

Den Teilnehmenden wurde eine faszinierende Seite der Geschichte der ukrainischen Präsenz in München eröffnet. Sie erfuhren, wie sich die ukrainische Gemeinschaft in Deutschland entwickelte – von den ersten Arbeitsmigranten Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zu den wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Zentren, die von Ukrainern im Exil geschaffen wurden.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen insbesondere:

🔷 die Rolle Münchens als Zentrum des ukrainischen politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Lebens;

🔶 die Tätigkeit ukrainischer Künstler, Wissenschaftler und gesellschaftlicher Persönlichkeiten, die fern der Heimat ihre Identität bewahrten;

🔷 die Nachkriegszeit und das Leben der Ukrainer in den Lagern für Displaced Persons (DP), wo trotz schwieriger Bedingungen Schulen, Universitäten, Kulturvereine und gesellschaftliche Organisationen gegründet, Zeitungen und Bücher herausgegeben sowie künstlerische Aktivitäten entfaltet wurden.

📚 Die Moderatorin der Veranstaltung, Dr. Liudmyla Zinevych, teilte zudem interessante und wenig bekannte Fakten aus der Geschichte des „ukrainischen München“:

-Die erste Dissertation über die Philosophie von Hryhorij Skoworoda wurde bereits in den 1830er-Jahren in München verteidigt.
-Lessja Ukrajinka besuchte München und verbrachte hier drei Tage bei ihrem Cousin Jurij Teslenko-Prychodko, damals Student an der Technischen Hochschule München.
-Die Gründung des Verlags der Künstlerischen Ukrainischen Bewegung (MUR) begann mit einer beinahe detektivischen Geschichte: Leonid Poltawa und Leonid Lyman gelang es in der sogenannten „Stunde Null“, kyrillische Druckschriften unter den Augen der Sowjets zu bringen, um eine ukrainische Druckerei aufzubauen.

Heute, da die Ukraine erneut für ihre Freiheit und ihr Recht auf eine eigene Zukunft kämpft, gewinnt die Erfahrung der ukrainischen Emigration besondere Bedeutung. Sie erinnert uns daran, dass man auch fern der Heimat ihr treuer Diener, Bewahrer ihrer Kultur und Träger ihres historischen Gedächtnisses bleiben kann.

Wir danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihre Anwesenheit, die interessanten Fragen und den bereichernden Austausch.

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