Am 17. Januar 1921 begann ein Weg, der unmöglich schien. Gegründet in Wien, geprägt in Prag und wiederherstellt in München, hat die Ukrainische Freie Universität ihre außergewöhnliche Widerstandskraft angesichts der Geschichte unter Beweis gestellt.
Wir feiern das 105-jährige Jubiläum nicht nur einer Bildungseinrichtung, sondern einer lebendigen Idee, die Bestand hatte, während Imperien zerfielen.
AUS GLAUBEN UND HINGABE GEBOREN
In Erinnerung an die schwierigen Jahre des Wiederaufbaus der Universität in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb die herausragende Professorin Natalia Polonska-Wassylenko:
„Die UFU hatte weder Geld noch große Mittel noch eine Bibliothek. Sie hatte nur eine Gruppe von Patrioten – Menschen mit starkem Willen und dem Wunsch, auf Münchner Boden die UFU wiederzubeleben – das wertvollste Werk der ukrainischen Emigration.“
Dieses Phänomen der „freien Wissenschaft“ wurde durch die außergewöhnliche geistige Stärke der ukrainischen Displaced Persons, die Energie der studentischen Jugend und die Solidarität der gesamten ukrainischen Diaspora möglich. Es war ein intellektueller Widerstand, der keine Grenzen kannte.
EINE BRÜCKE ZWISCHEN DEN VÖLKERN
Ein bedeutendes Kapitel unserer Geschichte ist die langjährige Freundschaft und Unterstützung durch die deutschen Behörden. Mit tiefer Dankbarkeit erinnern wir uns an die Hilfe der Bayerischen Staatsregierung. Der bayerische Ministerpräsident der 1960er–1970er Jahre, Alfons Goppel, betonte, die Unterstützung der UFU sei für ihn „eine besondere Angelegenheit und eine Aufgabe Bayerns zur Entwicklung intellektueller Kontakte mit Osteuropa“ gewesen.
Diese Zusammenarbeit legte das Fundament dafür, dass die UFU zu einer echten Stimme und Botschafterin der Ukraine im Herzen Europas wurde.
EINE MISSION, DIE FORTBESTEHT
Heute, mehr als ein Jahrhundert später, erfüllen wir weiterhin unsere zentrale Mission – die „Bewahrung der nationalen Substanz in der Diaspora“. In Zeiten neuer Herausforderungen für die Ukraine bleibt die UFU:
📌 Vermittler und Quelle objektiven Wissens über die Ukraine im Kontext Osteuropas.
📌 Interkultureller Brückenbauer, die die ukrainische intellektuelle Tradition mit dem deutschen, europäischen sowie globalen Wissenschaftsraum verbindet.
📌 Hüter von Traditionen, die in der „freien Welt“ gewachsen sind, um heute der Zukunft der Ukraine zu dienen.
Wir blicken mit Dankbarkeit zurück und mit Hoffnung nach vorn. 105 Jahre sind erst der Anfang unseres langen Weges in der freien Welt.
Herzlichen Glückwunsch, liebe Lehrende, Studierende und Freunde der UFU!
Gemeinsam sind wir die Stimme der Ukraine – stolz und unerschütterlich.
Text: Dr. Roman Tiutenko, Dr. Liliia Bondarenko.
Historische Fotocollage: Dr. Roman Tiutenko






